ANMERKUNG DES AUTORS
Vor sieben Jahren habe ich meinen letzten Gedichtband Zeitlosigkeit veröffentlicht. Mit diesem Band feierte ich meinen 40. Geburtstag. In den folgenden 7 Jahren, meiner Lebensmitte, bin ich weder umgezogen noch habe ich den Arbeitsplatz gewechselt. Diese Routine trägt mich und gibt mir Stabilität. Bewegung gab es vor allem im Inneren in Form einer intensiven künstlerischen Kreativität: Malerei, Skulptur, Musik, Dichtung und mein Tagebuch. Durch die Corona-Pandemie konnte ich meine Arbeit intensivieren. Im Rahmen mehrerer Ausstellungen und dank meiner Arbeit an der Käsetheke habe ich viele Menschen kennengelernt und mich mit mehreren Künstlern angefreundet.
Dazwischen
Da ich seit über 25 Jahren an Schizophrenie leide, fühle ich mich oftmals durch die Anforderungen des Alltags überlastet und am Boden. Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, starke Medikamente zu nehmen, um den täglichen Herausforderungen gewachsen zu sein. Nehmen sie mir einen Teil meiner künstlerischen Fantasie, meiner Kreativität, meiner Sensibilität? Diese Frage stelle ich mir seit 25 Jahren. Kann ich dennoch, zumindest teilweise, die Welt hinter dem Vorhang – die spirituelle Welt – wahrnehmen? Die Wahrnehmung jenseits der physischen Welt, des Materialismus ist für mich ein zentrales Thema.
Diese verborgene Welt entspricht diesem Zwischenraum, ein wohltuendes Innehalten im hektischen Alltag. Ein Raum für Träume, um still zu werden, zu meditieren. Das Bedürfnis nach Leere, ein befreiender Aufschrei, Innehalten in dieser immer schnelllebigeren Welt. Es ist ein Moment, ein Raum für Intuition. In diesem verborgenen Ort «fange» ich ein Gedicht ein, es kommt zu mir…
L’entre-deux /Dazwischen – der Raum zwischen mir und der Welt, zwischen Innen und Außen, zwischen Licht und Schatten, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Freiheit und Grenze. Eine Brücke von einem Ufer zum anderen, diesen Weg möchte ich einschlagen. Eine Abbiegung, ein Wendepunkt, eine Kehrtwende. Ich habe den Willen dazu, aber er ist unstet.
Für diese Sammlung habe ich 40 Gedichte (von knapp 300) und 40 Aquarelle ausgewählt. Ich nehme euch mit auf eine kleine Reise in meine Welt: Eindrücke, Impulse, ernste Gedichte, aufregende oder gar ekstatische Perioden, gefolgt von einer Rückkehr in den Alltag mit seinen Herausforderungen. Folgt meinen Gemütsregungen und begleitet mich auf meinen Wegen, auf meinen Spaziergängen. Der Band endet mit dem Thema Kindheit, mit den Höhen und Tiefen des Lebens und mit einigen schwer einzuordnenden Gedichten.
Ich möchte mit einem Gedicht von Hilde Domin schließen, die ich sehr schätze. Ich hoffe, dass euch dieser Gedichtband berührt!
Jean-Charles Roussel, Untersiggingen, Februar 2026
Worte
Worte sind reife Granatäpfel
sie fallen zur Erde
und öffnen sich
Es wird alles Innere nach außen gekehrt,
die Frucht stellt ihr Geheimnis bloß
und zeigt ihren Samen,
ein neues Geheimnis.
Hilde Domin